Le Mans 2006                                         Download PDF (rechte Maustaste - Ziel speichern)

Die 24 Stunden von Le Mans


Bereits eine Woche nach dem Auftaktrennen der diesjährigen Motorrad-Langstrecken Weltmeisterschaft in Assen wartete auf uns die wohl größte Herausforderung in diesem Jahr. Am Dienstagmorgen machten wir uns auf den Weg nach Le Mans, den wir doch gehörig unterschätzt hatten. Nach knapp 14 Stunden Fahrt und zirka 150 Kreisverkehren kamen wir gegen 23.30 Uhr im Fahrerlager von Le Mans an. Nach dem der Transporter bis unter das Dach voll war, blieb uns nichts anderes übrig als ihn gleich leer zu räumen.

Gegen 1:30 Uhr morgens war die Box dann zu 95 % eingerichtet und wir konnten den Abend noch in gemütlicher Runde ausklingen lassen. Da wir am Mittwoch noch kein festes Programm hatten, bis auf Technische Abnahme und Teamanmeldung haben wir den restlichen Tag dazu genutzt die Motorräder auf Vordermann zu bringen. Vorher war allerdings noch die Teamanmeldung und Einkaufen angesagt. Andi, Alex und Jörg haben sich erst um die Teamanmeldung gekümmert und sind anschließend einkaufen gefahren. Unglaublich aber war, das Leben in Frankreich ist doch glatt teurer als bei uns! Mit einem viertel vollem Einkaufswagen und 65 Euro weniger in der Tasche fuhren wir auf die Rennstrecke zurück.

Nach dem Mittagessen unseres Aushilfskochs Alex (Oli ist mit Schrauben und Organisieren beschäftigt) machten wir uns an die Arbeit. An der neuen Suzuki GSX-R 1000 K6 haben wir das Datarecording eingebaut und den Lenkkopfwinkel etwas verändert. Die K 4 hingegen ist bis auf das Dekor so geblieben wie sie war. Anfangs hatten wir leichte Probleme mit der Tankanlage, denn die Ventile haben sich jedes mal beim Tankversuch verschoben… doch dank einiger Hilfe und auch Ratschläge (Danke Team Bolliger) haben wir auch das in den Griff bekommen.

Jörg war in seiner Eigenschaft als Press Officer unterdessen im Media Center und versuchte einen Internetzugang zu organisieren. Kaum zu glauben, für 4 Tage Internet ist eine Gebühr von 95 Euro fällig! Das war der Spaß dann doch nicht Wert, Internet bzw. Telefon in der Box für 1 Woche 750 Euro!!!

Am späten Nachmittag trafen dann auch die Fahrer Roger Maher und Pasi Anderson mit Begleitung auf der Rennstrecke ein. Nach ersten Gesprächen und dem besichtigen der Rennstrecke mit dem Roller gab es dann Abendbrot. Es folgten noch so einige Basteleien am Bike und in der Box (Lichtmasten etc.), bevor wir auch diesem Abend in geselliger Runde abschließen konnten.

Der Donnerstag morgen begann für Jörg bereits um 8:15 Uhr, denn er musste vertretend auf das morgendlich angesetzte Teammanagerbriefing. Gegen 9:15 Uhr mussten dann auch die Fahrer zur Besprechung bevor es mit dem offiziellen Programm weitergehen konnte. Denn direkt nach dem Fahrerbriefing begann das erste freie Training. Über das freie Training gibt es nicht viel zu berichten, alles lief wie am Schnurchen. Niggi, Roger und Pasi fuhren gute Zeiten und wir blickten zuversichtlich auf das Qualifying am Abend.

Leider lief im Qualifying nicht alles so wie wir es uns vorgestellt hatten. Die französischen Teams waren einfach zu stark. Da Roger und Pasi noch nie zuvor in Le Mans gefahren sind, brauchten Sie einige Zeit um sich an die Strecke zu gewöhnen. Leider machte sich das auch stark in den gefahrenen Runden von Roger und Pasi bemerkbar. Nach dem ersten Qualifying sah es sehr schlecht für uns aus. Das abendliche Nachttraining hingegen meisterten alle drei Fahrer sehr gut. Wir machten uns viele Gedanken über die weiteren Tage und unser weiteres Vorgehen. In einem Punkt waren sich jedoch alle einig, wir werden alles tun um am Rennen teilnehmen zu können!

Am Freitag findet das zweite Qualifying statt und wir waren der Ansicht das die Fahrer durch das freie Training, das erste Qualifying und das Nachttraining genug Übung hatten so das Sie das im zweiten Qualifying zeigen können. Gesagt, getan, Pasi und Roger zeigten das Sie schnell fahren können, Niggi jedoch hatte starke Schmerzen in seinem linken Knie und konnte nicht mehr richtig laufen, geschweige denn Motorrad fahren! Ohne Niggi wäre das Projekt Le Mans also somit gestorben und wir wussten nicht ob sich das bis zum Rennen wieder legen würde. Wir haben bis spät in die Nacht diskutiert wie wir nun vorgehen wollen und es war ein harter Kampf da wir trotz alledem das Qualifying geschafft hatten. Wir mussten zwar als letzte (Platz 56) ins Rennen gehen aber wir waren dabei.

Nach dem zweiten Qualifying war an diesem Tag kein offizielles Programm mehr, so dass wir noch etwas am Motorrad arbeiten konnten. Am Abend hat uns dann schier der Schlag getroffen! Beim offiziellen Pitwalk, Menschenmengen wie auf einem Jahrmarkt. Natürlich haben auch wir uns dem gestellt, unser Motorrad vor der Box platziert und Teamfotos von der Le Mans Crew geschossen, hierzu herzlichen Dank an Rene Werse unseren Starfotografen mit großer Bilderdatenbank unter www.4pu-agency.net.

Im Warm up am Samstagmorgen passierte es dann, Pasi stürzte eingangs der Start und Zielgeraden! Frontverkleidung hin, Fußrasten und Schalthebel gebrochen und in ein paar Stunden ist der Start. Wir machten das Motorrad wieder flott, dass Wetter war traumhaft und die Tribünen bereits seit morgens um 8 Uhr voll. Und mit voll, meinen wir wirklich voll! Eine fast unbeschreibliche Stimmung herrschte auf der gesamten Rennstrecke. Gegen 12:30 Uhr stand eine Stuntshow auf dem Programm, die die Fans zum toben brachte. Genau der richtige Einklang für ein Rennen wie die legendären 24 Stunden von Le Mans. Als dann gegen 14:00 Uhr die Startprozedur begann konnten es auch wir kaum erwarten. Als erster Fahrer ging Roger auf die Strecke, von Startplatz 56 ins Rennen gegangen machte Roger gleich zu Beginn einige Plätze gut. Er war schnell unterwegs und fuhr Rundenzeiten um 1:47. Als Zwischenstand nach knapp 19 Uhr lagen wir bereits auf Platz 43. Probleme machte uns schon am kompletten Wochenende die Tankanlage, bei einigen Tankvorgängen blieb das Auslassventil offen und das Benzin (2,75 Euro pro Liter) spritzte über das Motorrad.

Auch die französischen Pit-Marshals hatten es so ab und zu auf uns abgesehen. Aus unerklärlichen Gründen mussten wir mitten in der Nacht (nach 8 Stunden) unsere Boxenbeleuchtung abbauen, denn auf einmal war diese zu Dicht an der Tankanlage. Wir mussten unseren Fahrer in die Box holen weil er laut Aussage der Marshals mit defektem Rücklicht fährt… war jedoch alles o.k. … Fahrer: Roger Maher Jeder Versuch in der Boxengasse zu filmen wurde im Keim erstickt, (zum Glück sind wir ja nicht dumm (-: ).

Auch Niggi konnte fahren, die Schmerzen hatten nachgelassen und Niggi war gut dabei. Auch er fuhr in seine Turns mit 1:48 – 1:49 um die Strecke und holte so einige Plätze für uns raus. Die Nacht; Platz 38 und es ging abwärts bis auf den 30 Platz konnten wir uns verbessern. Das ganze hielt bis ca. drei Uhr Morgens an, Niggi machte sein Knie wieder zu schaffen so dass er seinen Turn nicht planmäßig fahren konnte. Roger sprang ein und übernahm Niggis Turn. Alles lief problemlos bis wir auf unserem Monitor in der Box angezeigt bekamen das sich unser Bike mit technischem defekt am Streckenposten 10 befindet. Roger ist der Gaszug gerissen und es dauert einige Zeit bis er in der Box ankam. Zeitgleich machte sich Jörg mit dem Roller auf um der ersten Stand der Dinge in Erfahrung zu bringen. Wir wussten schließlich nicht ob er gestürzt ist, ein technisches Problem hat, ob das Motorrad zertrümmert ist oder steht. Gott sei Dank ist weder Roger noch dem Motorrad etwas Ernstes passiert. Denn wir agierten ohne Reserveverkleidung, die hatten wir bereits nach Pasi’s Sturz im Warm up verbraten. Roger kam in die Box, bekam einen neuen Gaszug es konnte weiter gehen. Ab diesem Zeitpunkt wollten die Probleme jedoch nicht mehr aufhören. Erneute Probleme mit dem gewechselten Gaszug, mit der französischen Tankanlage (wir durften unsere ja nicht benutzen) und letztendlich ein Getriebeproblem machte uns zu schafften.

Das bedeutete leider das Aus für uns, nach reiflicher Überlegung sind wir zu dem Entschluss gekommen das Rennen aufzugeben. Eine Reparatur machte keinen Sinn, denn WM-Punkte hätten wir ohnehin nicht mehr erreichen können. Um Material, Kosten und Nerven zu sparen war dies wohl der beste Entschluss.

Doch nicht nur bei uns flogen die „Fetzen“;

YART ist der Motor geplatzt (Zylinderkopfdichtung hin) – Rennen aufgegeben
Diablo 666 hatte einen Getriebeschaden – Rennen aufgegeben
SERT N° 1 gestürzt und weit zurückgefallen
Phase One N° 6 – aus dem Rennen
Kawasaki France 111 schwer gestürzt und Rennen aufgegeben
Endurance Moto 38 – Rennen aufgegeben
Maco Moto N° 14 schwerer Sturz – Rennen aufgegeben
Motobox Krämer – Rennen aufgegeben.

Tja auch das ist Langstrecke…

Wir bereiten uns nun jedenfalls auf das Rennen in Albacete am 20.Mai 2006 vor und werden dort wieder 150 % auf der Matte stehen um an den Erfolg von Assenanzuknüpfen!

Das Team Innodrom Racing gratuliert Hans Peter Bolliger und Team für den großen Erfolg in Le Mans und sagt noch einmal Danke für die Unterstützung!