Albacete 2006

Nach dem freien Training hatten wir uns entschieden bezüglich Gabel trotz keiner schlechten Leistungen mal unser altbewährtes System mit breiter Gabelbrücke zu verlassen und eine modifizierte Originalgabel mit Originalgabelbrücke zu testen. So kam es aus unerklärlichen Gründen dazu, dass wir zwischenzeitlich mit einer sehr guten Zeit auf Platz 7 im ersten Quali lagen. Nach Ende des Quali auf Platz 12. Beide Fahrer fuhren mit dieser Gabel bessere Zeiten. Erklären konnten sie sich das nicht, denn sie meinten beide übereinstimmend, dass das Moped unruhiger war und schwerer zu fahren. Folglich rüsteten wir auf das altbewährte System zurück. Im folgenden Nachttraining konnten wir natürlich nicht die Zeiten fahren, wie am Tage, jedoch Zeiten, die uns hoffen ließen. Dies sollte sich im zweiten Quali am Samstag jedoch als Trugschluss heraus stellen. So kamen dann leider nur Platz 27 für den Start heraus. Auf Grund der Aussagen der Fahrer behielten wir für das Rennen jedoch unser altbewährtes System mit den breiten Gabelbrücken bei. Beim Start kam es zu einem verheerenden Unfall zwischen dem Helfer eines weiter vorn stehenden Teams, und eines von hinten heranrasenden Mopeds. Der Helfer wurde voll erfasst, durch die Luft gewirbelt und blieb bewusstlos auf der Strecke liegen. Der Mopedfarer dann ebenfalls gestürzt und an der Boxenmauer zum Liegen gekommen. Von oben sah das richtig schlimm aus. Hier ein großes Kompliment an die Rennleitung, die hier blitzartig und gut reagierte, sofort das SafetyCar raus, die Start-Zielgerade abgesichert. Wirklich klasse. Ein weiteres Kompliment an unseren Tanker 'Omo', der im wirklichen Leben Rettungssanitäter ist und diesen Crash aus unmittelbarer Nähe miterlebte, sich über die Boxenmauer schwang und als einer der ersten beim Verunglückten Helfer war. Trotz nicht vorhandener Spanischkenntnisse konnte er den herbeieilenden Streckenposten klar machen, dass das sein Beruf ist und somit bis zum Eintreffen der Sanitäter gut helfen. Nach nur drei Runden war alles geklärt. Der Helfer kam mit einer Gehirnerschütterung und der Fahrer mit ein paar Prellungen davon. Alle Achtung.

Unser eigener Start wurde dadurch auch leicht in Mitleidenschaft gezogen, so dass wir zurück fielen und als vorletzte die ersten Runden absolvierten. Unser neuer Fahrer Stefano zum ersten mal auf diesem Bike und bei seinem ersten Langstreckenrennen schlug sich mehr als beachtlich und fuhr in seinem ersten Turn dann wieder einige Plätze nach vorn. Unser Taktikpapst hatte sich auch wieder alle Mühe gegeben und stundenlange 'wenn und aber' - Berechnungen angestellt, die sich dann im Laufe des Rennens als außerordentlich wichtig herausstellten. Wie zu befürchten bekam Niggi bereits nach dem ersten Turn wieder Probleme mit seinem immer noch nicht operiertem Knie. Schlimmer noch, denn nun meldete sich auch das andere Knie. Hinzu kam dann eine relativ lange zweite Safetycar-Phase, die wiederum dem Stefano einen sehr langen Turn abverlangte. Insgesamt brachten uns dann die relativ kontinuierlich gleichen Rundenzeiten, effektive Boxenstops und die ausgeklügelte Taktik auf Platz 17. Einige Plätze besser wären auf jeden Fall möglich gewesen. Dies wurde, abgesehen von den eben besagten Umständen, auch von den zwar guten, aber nicht besten Michelins verhindert. Die von uns sehr lang gewählten Turns machten den vorhandenen Reifen gegen Ende jedes Turns sichtlich zu schaffen, so dass wir hier leider immer einige Zeit verloren.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass wir mit Stefano offensichtlich eine gute Wahl getroffen haben. Wir werden sehen, wie wir mit ihm längerfristig zusammen arbeiten können. Leider kann er in Zolder nicht dabei sein, da er in dieser Saison eigentlich Schweizer Meisterschafft fährt und an diesem Wochenende dort ein Rennen hat. Niggi wurde nun endlich am Knie operiert. Die OP verlief sehr gut und er geht inzwischen ohne Krücken, was uns wenigstens in dieser Hinsicht auf Zolder hoffen läßt. Hier möchte ich unseren Helfern from all over the ganze World (Spanien, Schweiz, Deutschland, Düren und Österreich) einen herzlich Dank aussprechen.

Randbemerkung: Auf der Hinfahrt ist uns am Transporter auf der Autobahn ein Hinterrad geknallt. Wir haben das Ersatzrad montiert und dabei fest gestellt, dass das Rad auf der zweiten Achse erheblich in Mitleidenschaft gezogen war. Wir haben uns dann die letzten 150 km zur Rennstrecke geschlichen und waren uns einig, dass wir damit nicht nach Hause kommen. Der Vorteil der Größe bzw. Kleine dieser Reifen (dadurch erheblich höheres Ladevolumen) reichte uns jetzt zum Nachteil, denn diese Reifen sind nirgends vorrätig. Wir setzten also alle Hebel in Bewegung, solche Reifen nach Albacete zu bekommen. Letztendlich trieb der ADAC in Barcelona welche auf, die Samstag zu einem Pannendienst nach Albacete geliefert werden sollten. Leider kamen sie nicht und unsere geplante Abreise am Sonntag war somit hinfällig. Man vertröstete uns auf Montag Vormittag. Wir also früh zum Pannendienst und: wieder keine Reifen. Niggis OP-Termin am Mittwoch rückte immer näher und zwischen dem und uns lagen noch 1700 km. ADAC schickte dann wieder welche los von Barcelona und wir wurden auf Dienstag 10:00 Uhr vertröstet. Und??? Tatsächlich, sie kamen. Wir zum Reifendienst, montieren lassen und ab auf die Piste. Ohne Zwischenstopp nach Basel durchgefahren. 19 Stunden für Transporter mit Wohnanhänger. Niggi kurz unter die Dusche und dann hab ich ihn gleich zur OP gefahren. geht doch, oder?

Mit sportlichem Gruß
Euer Oli