Albacete 2005

Technischer K.O. in der 8. Stunde.

Teile des Teams ( Manager, Boxenchef, unser Transportfahrer, unser jüngster Nachwuchsfahrer Manuel nebst Erziehungsberechtigten und unser Schweizer Pilot Niggi) waren ja bereits samt Technik und Bikes am Dienstag Abend in Albacete eingetroffen und hatten somit Zeit Technik und Box entsprechend vorzubereiten.

Donnerstag Nachmittag und Abend traf dann der gesamte Rest des Teams ein, so dass wir in den späten Abendstunden die Bikes noch einmal durchprüfen und alles für den Freitag vorbereiten konnten.

Wegen der Nullnummer (keine Punkte) in Assen und mit wiederum neuen und auf dem Prüfstand feinst abgestimmten und spritoptimierten Motor hatten wir uns für Albacete hohe Ziele gesetzt.

Die freien Trainings am Freitag Vormittag machten uns auch dementsprechende Hoffnungen. Auf Grund tieferer Temperaturen als im letzten Jahr und extrem viel Wind konnten wir die Abstimmungen vom letzten Jahr nur teilweise Verwenden. Wir mussten zum ersten Qualifying Fahrwerk, Gabel und Übersetzung ändern.

Mit unserer Entscheidung für Bike 1 für’s Quali lagen wir ziemlich gut in der Zeit, so dass wir auch noch das T-Bike testen konnten. Trotz des hier vermeintlich schlechteren Fahrwerks und der längeren Übersetzung kamen die Fahrer mit dem Bike und dem hierin befindlichen neuen Motor besser zurecht. Folglich konnten wir nach diesem Quali die Plätze 10, 14 und 16 in den einzelnen Gruppen belegen.

Im Nachttraining mit getauschtem Fahrwerk und geänderter Übersetzung setzte sich dann wie vermutet das T-Bike in den Vordergrund. Leider brachte uns das Nachttraining noch mehr Unklarheit, was die Reifenwahl für das Rennen anging (wegen der wieder gesunkenen Temperaturen) und außerdem Probleme mit der Spritversorgung.

Nach Auswertung von Quali und Nachttraining entschlossen wir uns beide Motorräder in nur annährend gleiche Abstimmung zu bringen. Zu dem unterschiedliche Reifen zu montieren. Weiterhin bastelten wir noch an ein paar anderen `Kleinigkeiten´: Datarecording wechseln, Benzinpumpe wechseln, neue Kette, Bremsbeläge, Nachtlicht zur Erkennung des Mopeds von der Boxenmauer etc pp. Somit war uns bis Nachts halb drei gar nicht langweilig.

Leider wurden unsere nächtlichen Bemühungen im 2. Quali nicht belohnt. Zu dem versagte auch noch die Gabel im nun letztendlich besseren T-Bike. Leider landeten wir somit nur auf Platz 21 in der Startaufstellung. Nun durften wir auch noch schnell bis zum Wurm up eine andere Gabel montieren.

Im Wurm up lief dann alles ziemlich gut und wir hatten wieder neue Hoffnung und die nicht unberechtigt. Während der Trainings hatten wir noch ausgeklügelt, dass es möglich sein würde mit 5 Tankstops hin zu kommen. Bei der Hitze stellt dies natürlich für die Fahrer eine erhebliche Mehrbelastung dar. Insbesondere sollte es für den Startfahrer Lars eine Extrembelastung werden, denn er hatte ja abgesehen von den um 18:00 Uhr noch höchsten Temperaturen auch noch die 35 Minuten Startprozedur zu verkraften.

Zum Rennen:

Trotz dieser Bedenken sind wir zunächst so gestartet. Wir hatten vereinbart, das Lars früher rein kommt, wenn er merkt, dass es nicht mehr geht bzw. das wir ihn rein holen, wenn wir an Hand der Rundenzeiten gravierende Verschlechterungen aufzeichnen.

Nach nicht ganz so gelungenem Start und nur Platz 22 nach der ersten Runde lief er dann relativ schnell auf die Kawasaki Deutschland vom Team RMT #21 auf.

Nach einigen Runden konnte er sie überholen und von da an ging es stark nach vorn. Bereits nach einer Stunde lagen wir auf Platz 13. Lars biss auf die Zähne und konnte den von uns geplanten Turn mit überzeugenden Rundenzeiten zu Ende fahren. Am Ende seines Turns belegten wir bereits den 10. Platz.

Bei dem folgenden Stop kam es zum ersten bedauerlichen Zwischenfall: Wir vergaßen das Licht beim Tanken aus zu schalten. Das bescherte uns eine Stop and Go Strafe von 30 Sekunden. Der nächste Zwischenfall war ein Missverständnis zwischen Fahrer und Zeitnahme, die uns zu einem früher als geplanten Boxenstopp verhalf. Was allerdings nicht ganz so schlimm war, denn die Reifen hatten in Niggi’s Turn so abgebaut, dass gute Rundenzeiten eh nicht mehr möglich waren.

Durch die Strafe und die schlechteren Rundenzeiten waren wir wieder auf 15 zurück gefallen.

Jetzt fuhr Agoston mit sehr guten und extrem konstanten Rundenzeiten wieder nach vorn. Am Ende seines Turns waren wir wieder 12. und hatten die 5 anderen deutschen Teams hinter uns gelassen. Mit dem dicht zusammenliegenden Teams vor uns und den guten Rundenzeiten hatten wir die Option auf weitere 5 bis 6 Plätze nach vorn.

Lars hatte sich in seinem ersten Turn doch etwas überanstrengt, so dass wir uns entschieden wieder Niggi fahren zu lassen. Nun wollte er auch mal zeigen, dass es in seinem ersten Turn nur an den Reifen lag und fuhr mal eben in der Dämmerung schnellere Zeiten als im Hellen.

Dann klappte uns Jacky (Niggis Frau) in der Box zusammen. Keiner wusste wieso. Alle hatten das gleiche gegessen. Also ab ins Medical Center. Sie hatte aber zuvor noch Manuel (6 Monate) an der Brust. Niggi, der Vater auf dem Motorrad. Und da stand nun so ein Nichtvater wie ich in der Box und musste eine Entscheidung treffen. Wer erkennt bei einem Säugling etwaige Vergiftungserscheinungen als erster, wenn nicht die Mutter? Der Vater. Was macht der? Fährt Superrundenzeiten. Ich wusste nicht, was Jacky hat oder wann Sie aus Medical Center zurück kommt. Also hab ich Niggi rein gewunken. Tanken und Lars weiter.

Das ganze brachte uns einen, wenn auch kurzen Boxenstopp mehr als nötig (ca. 40 sek Verlust). Im Nachhinein stehe ich auch zu dieser Entscheidung, auch wenn das vielleicht einige Leute anders sehen.

Diese Entscheidung beinhaltete aber auch, dass wir jetzt Spielraum hatten, was die Länge der restlichen Turns angeht. Da fuhr jetzt der von seinem ersten Ritt stark angeschlagene Lars und wir hätten seinen Turn entsprechend kürzen können.

Wir bereiteten also einen großen Stopp vor, mit beiden Rädern, Öl, Kette, etc, und holten ihn dann trotz sehr guter Rundenzeiten und wieder auf Platz 12 vor gefahren nach gut 50 min rein. Vorderrad raus und Schock: Die Bremsbeläge waren zum Teil nicht mehr vorhanden. Wir hatten sie natürlich bei jedem Stopp kontrolliert und sie waren immer so gut, dass wir uns sicher waren, sie werden die 8 Stunden halten. Bei dem letzten Stopp (nur Tanken), als Lars Niggi unplanmäßig ablöste hatten wir freilich nicht nachgesehen. Wir waren uns ja sicher.

So gesehen war es wieder von Vorteil, dass Lars nicht so lange gefahren ist. 5 Runden später wären wir wahrscheinlich nicht mehr zu einem Boxenstopp gekommen. Beläge wechseln, noch dazu unvorbereitet hat uns natürlich wieder zurück geworfen und kostete uns zwei Runden und ganze 4 Plätze, folglich Platz 16 und keine Punkte.

Jetzt hatte Agostons Stunde geschlagen. (Nochmal extra, für alle die es noch nicht wussten: Ago ist unser junges ungarisches Nachwuchstalent, der hier sein zweites Langstreckenrennen und sein erstes Nachtrennen fuhr.) Während alle anderen Teams in der Nacht wesentlich langsamer fuhren, konnte er daran nichts finden und legte zum Teil Rundenzeiten hin, die seinen Trainingszeiten vom Tage nahe kamen. Lieferte sich Kämpfe mit den ´Großen`. In der gut einen Stunde fuhr er einfach wieder 5 Plätze nach vorn. Wir lagen dann hinter den Profis von Bridgestone Bikers auf Platz 11.

Jetzt, 50 min vor Schluss noch einmal Tanken und Niggi noch mal die Rundenzeiten aus seinem ersten und verkürztem Nachtritt. Damit währen wir rein rechnerisch und trotz aller beschriebenen Schwierigkeiten noch sicher auf Platz 9 gefahren, Platz 8 lag noch im erreichbaren.

Also getankt, Niggi drauf und ...

Das Moped springt nicht an. Auch anschieben bringt nichts. Rein in die Box, Verkleidung ab, Sicherungen ok, Zündbox wechseln, nichts, nada, sero, null. Der Anlasser dreht, mehr nicht. Tank ab, Airbox ab, Sprit rein, nix, gar nix. Sensoren prüfen, alles wie es sein soll. Wir haben den Fehler nicht gefunden. 5 Minuten vor Rennende und auf dem vorletzten Platz haben wir auf gegeben.

Den Fehler habe wir immer noch nicht, aber ich sag dann Bescheid.

Hier möchte ich mich mal bei allen Helfern und Schraubern bedanken. Hatten wirklich schwer zu kämpfen. Noch dazu ohne Reifendienst. War ne Super Leistung von Euch.

Auch danke an René Werse, der für uns Super Fotos gemacht hat. Die wird es in Kürze auf der HP geben.

Berichtigungen, Fragen, Geld und Verbesserungsvorschläge bitte an mich. Danke

Mit sportlichem Gruß
Euer Oli